Tu-Es-Day, 16.12.2025

Von Hamstern und Menschen

 

Hamster sind possierliche Tierchen. Für manche Kinder sind sie die erste Erfahrung mit Haustieren.

Wenn der Hamster es gut antrifft, hat er ein großzügiges Zuhause, das liebevoll mit vielen Möglichkeiten zur Beschäftigung und zum Verstecken ausgestattet ist.

Was in nahezu keinem Hamster-Zuhause fehlt, ist ein Hamsterrad.

Die kleinen Fellknäuel brauchen nämlich viel Bewegung. Über Zwerghamster habe ich keine Daten gefunden.

Allerdings über Feldhamster. Die sollen etwa 6 Kilometer am Tag bzw. in der Nacht zurücklegen.

Eine große Strecke für so ein kleines Lebewesen. Seine Motivation? Sie liegt nicht im Erwerb von Fitness.

Ihm geht es um Futter und Fortpflanzung.

 

Ich mach es mir mal einfach und behaupte, dass das halb so große Haustier Zwerghamster die Hälfte der Strecke zurücklegen würde.

Dieser Aussage fehlt jegliche wissenschaftliche Grundlage.

Wer aber schon mal beobachtet hat mit welchem Tempo und welcher Ausdauer ein kleiner Hamster sich in seinem Rad bewegt,

wird mir vielleicht zustimmen.

Aber auf einen Kilometer mehr oder weniger kommt es ja gar nicht an.

 

Die Frage ist, wieso er das tut. Schließlich wird ihm das Futter doch frei Haus geliefert. Das Rennen ist sinnlos.

Okay, bleibt noch die Fortpflanzung als Motiv. Ist aber aussichtslos!

Ich denke, dass auch ein kleiner Hamster, ob nun Männchen oder Weibchen irgendwann erkennt,

dass die Partnersuche im Hamsterrad nichts bringt.

Sein Laufen im Rad ist demnach sinnlos und aussichtslos. Wie frustrierend!

 

Haben wir Menschen deshalb das Hamsterrad in unseren Sprachgebrauch übernommen? Um ein treffendes Bild für Frustration zu haben?

Zum Beispiel, wenn wir davon reden, dass wir am Montag wieder ins Hamsterrad müssen?

Oder, dass wir dringend raus müssen aus dem Hamsterrad?

Die ganz Umtriebigen unter uns steigen auch gerne um.

Vom Job-Rad, Familienmanagement-Rad oder Schul/Studium-Rad ins Freizeit-Rad.

Oder passend zur Gegenwart: Das Weihnachts-Rad.

Tempo! Tempo! Viel Bewegung, kein Vorankommen.

 

Etwas wird ein Hamster nicht können, Du schon.

Was?

Die Frage nach dem Sinn stellen und Antworten finden.

Futter und Fortpflanzung?

Wahrscheinlich etwas facettenreicher. Wenn nicht, auch gut.

 

Entscheidend ist, dass Du Aussichten hast und in Deinem Tun einen Sinn erkennst.

In diesem Augenblick - wie durch einen Zauberspruch - verschwindet das frustrierende Bild des Hamsterrades und vor Dir liegen Wege.

Wege mit Aussicht auf Ziele. Wege, die zu gehen sinnvoll ist.

 

Und jetzt, wo das Hamsterrad oder die Hamsterräder verschwunden sind, könntest Du zusätzlich etwas anderes bemerken.

Du bist kein Haustier und lebst nicht in einem Käfig.

 

Alles eine Frage der Sichtweise.

 

©Hans Lunkeit

 

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© Hans Lunkeit