Tu-Es-Day?

Grundsätzlich ist jeder Tag ein guter Tag, um mal etwas für sich zu tun, etwas Neues auszuprobieren.

Aber ganz ehrlich: Wer steht schon jeden Morgen auf und denkt: "Heute probier´ ich etwas Neues aus und mach´ mal etwas ganz für mich!"? Und nochmal ganz ehrlich: Ich auch nicht.

Wir brauchen Impulse, die uns dazu bringen.

Vielleicht ist der erste Blick aus dem Fenster, der uns anregt, ein Artikel in der Zeitung oder ein Beitrag im Radio. Oder ein Text jeden Dienstag hier an dieser Stelle am Tu-Es-Day!

 

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Tu-Es-Day, 02.03.2021

Beruf oder Berufung?

 

Darf ich mich vorstellen?

Mein Name ist Lunkeit, Hans Lunkeit.

Ich habe die Lizenz tu töten.

Mein Beruf ist Gewohnheitsmörder.

Wie es dazu kam?

Bereits seit einiger Zeit bemerkte ich eine gewisse „Neigung“ in mir. Und dann passierte etwas, das mich zum Gewohnheitsmörder machte.

Was es war? Es hatte mit einer großen Liebe zu tun.

Für mich war es Liebe auf den ersten Blick. Ich sah sie bei einem Einkaufsbummel. Ein bisschen hat es noch gedauert, bis wir endlich zusammenkamen.

Aber dann war es wunderschön mit ihr. Wir verbrachten viel Zeit miteinander. Ich brauchte sie nur zu sehen und mir ging das Herz auf. Oft habe ich ihr gesagt, wie sehr ich sie liebe. Sie konnte es nie sagen. Aber das machte mir nichts aus. Wir gehörten einfach zusammen, auch wenn wir so verschieden waren. Ich war schon immer sehr empathisch, sie nicht so sehr. Gefühle waren nicht ihr Ding. Ich mag Neues, sie liebte eher das Beständige. Sie hat aber jede Veränderung geduldig und schweigsam mitgemacht.

Ich muss auch zugeben, dass ich meine Wünsche immer um sie herum gestrickt und auch auf das eine oder andere verzichtet habe. Ihr zuliebe.

Dann gab es eine Zeit, in der mich eine wirklich große Idee umtrieb. Ich wollte es unbedingt und musste dabei leider feststellen, dass sie mir dabei im Weg stand. Alle meine Versuche, sie auf meinem Weg mitzunehmen, scheiterten leider an ihrer Unbeweglichkeit. Meine Idealvorstellung war mit ihr nicht zu erreichen.

In dieser Zeit wurde mir klar, dass ich schon in der Vergangenheit unbewusst vieles in Kauf genommen hatte, nur um sie zu behalten.

Es war für mich schmerzhaft zu erkennen, dass ich mich von ihr trennen musste, wenn meine Pläne Realität werden sollten. Ich konnte mir aber auch nicht vorstellen, sie nach einer Trennung einem anderen zu überlassen.

Sie hatte von alldem nichts mitbekommen. Wie schon gesagt, Gefühle waren nicht ihre Sache.

Das hatte aber auch etwas Gutes. Sie hat nichts gespürt, als ich sie in kleine Teile zersägt und anschließend in die Müllverbrennungsanlage gebracht habe. Die Arbeiter dort schauten mich schon komisch an, weil ich sichtbar traurig war als ich sie dorthin brachte. Sie haben aber auch nicht gefragt. Im Wegfahren sah ich ihr Kopfschütteln im Rückspiegel.

Auf dem Weg nach Hause habe ich geweint. So eine Trennung ist immer schmerzhaft. Ich spürte aber auch schon eine gewisse Erleichterung, die stärker und stärker wurde. Die Vorfreude auf das Neue nahm zu.  Und was soll ich sagen? Meine Pläne wurden Wirklichkeit. Es ist wunderschön geworden.

Mit ihr wäre das nie geschehen.

Ich bereue nichts. Nicht die Zeit mir ihr. Nicht die radikale Trennung.

Vielleicht fragst Du Dich, was meine Familie und meine Freunde dazu gesagt haben. Du denkst bestimmt: Die müssen doch etwas davon mitbekommen haben. Und ihre Familie? Hat sich niemand über ihr Verschwinden gewundert und nachgeforscht?

Nun, meine Familie und meine Freunde wissen Bescheid und verstehen mich.

Ihre Familie, Ihre Freunde? Habe ich nie kennenglernt. Sie stammte aus Schweden. Ihr Name war übrigens Meraker. Sie war ein wundervolles rotes Buffet aus Kiefernholz. Nur ohne sie waren die Umbauten in unserem Haus möglich.

Neulich habe ich eine Schwester von ihr im Internet gesehen. Sie soll verkauft werden. Über Ebay! Das hätte ich nicht gekonnt!

Verrückt? Vielleicht!

 

Aber so ist das eben mit Gewohnheiten. Es braucht manchmal radikale Veränderungen, um ihnen zu entkommen.

Seitdem arbeite ich hauptberuflich als „Gewohnheitsmörder“ und unterstütze meine Klienten dabei, sich von alten Mustern und Gewohnheiten zu lösen.

Vor längerer Zeit sagte mir mal jemand zu Beginn der gemeinsamen Arbeit, dass ich zunächst seine „Notlösung“ gewesen sei.

Ich habe das als Kompliment empfunden, weil das meine Rolle ist.

Ich bin ehrlich. Es gibt einen Anteil in mir, dem der Berufstitel „Gewohnheitsmörder“ noch besser gefällt.

 

 

                                                                                                                                      Hans Lunkeit

 

 

Ich freue mich über Feedback, Anregungen, Fragen und Wünsche zum Impuls am Tu-Es-Day. Die Möglichkeit hierzu hast Du hier:

P.S.

Tu-Es Day gibt es schon seit einiger Zeit.  Die Texte der vergangenen Monate findest Du im