Was ist Tu-Es-Day?

 

Grundsätzlich ist jeder Tag ein guter Tag, um mal etwas für sich zu tun, etwas Neues auszuprobieren.

Aber ganz ehrlich: Wer steht schon jeden Morgen auf und denkt: "Heute probier´ ich etwas Neues aus und mach´ mal etwas ganz für mich!"? Und nochmal ganz ehrlich: Ich auch nicht.

Wir brauchen Impulse, die uns dazu bringen.

Vielleicht ist der erste Blick aus dem Fenster, der uns anregt, ein Artikel in der Zeitung oder ein Beitrag im Radio. Oder ein Text jeden Dienstag hier an dieser Stelle am Tu-Es-Day!

 

 

 

Tu-Es-Day, 01.12.2020

 

Persönliches Gepäck

 

Mein bester Freund - er heißt übrigens auch Hans - und ich saßen schon eine Weile auf einer Bank im Park, als ein Paar auf uns zukam.

„Entschuldigen Sie bitte. Sind Sie von hier?“

„Ja!“ war die Antwort unseres kleinen Chors.

„Dann können Sie uns bestimmt helfen. Wir leben noch in C-Stadt und wollen aus beruflichen Gründen hierher umziehen,“ sagte die Frau.

„Und wir möchten gerne wissen, wie es sich in dieser Stadt lebt“ fuhr ihr Mann fort.

„Wie sind die Menschen hier so?“

„Wie sind denn die Menschen in C-Stadt,“ fragte sie mein Freund, „Ich war noch nicht dort.“

„Ach wissen Sie, wir sind nicht böse darum, umziehen zu müssen. Die C-Städter sind misstrauisch, neidisch, streitsüchtig und insgesamt sehr unfreundlich und abweisend“, war die Antwort des Mannes.

„Die Menschen hier sind genauso“, antwortete Hans und ich war ein wenig überrascht von seiner Antwort.

„Ich habe es dir gleich gesagt, es ist überall das Gleiche!“ zischte ihm seine Frau zu.

Die beiden gingen ohne weiteres Wort weiter.

 

„Warst Du schon mal in C-Stadt?“ fragte mich Hans und meine Antwort war nein.

Wir redeten eine Weile darüber, wie es wohl wäre in C-Stadt zu leben, als ein anderes Pärchen auf uns zu kam und wir ein kleines Déjà-vu hatten.

 

„Entschuldigen Sie bitte. Sind Sie von hier?“

„Ja!“ wieder antworteten wir im Chor.

„Dann können Sie uns bestimmt helfen. Wir leben noch in C-Stadt und wollen aus beruflichen Gründen hierher umziehen“,  sagte die Frau.

„Und wir möchten gerne wissen, wie es sich in dieser Stadt lebt“, fuhr ihr Mann fort.

„Wie sind die Menschen hier so?“

„Wie sind denn die Menschen in C-Stadt?“ setzte Hans dem Déjà-vu noch die Krone auf.

„Ach wissen Sie, wir freuen uns sehr auf die neue berufliche Chance hier, sind aber auch ein wenig traurig, umziehen zu müssen. Die Menschen in C-Stadt sind so nett und freundlich, hilfsbereit und legen viel Wert auf ein harmonisches Miteinander“, sagte die Frau.

„Die Menschen hier sind genauso“. Mein Freund zog das Déjà-vu gnadenlos durch.

„Siehst Du, es wird auch hier gut werden“, strahlte der Mann seine Frau an und die beiden bedankten sich bei uns, wünschten uns noch einen schönen Tag und gingen Arm in Arm ihres Weges.

„Mein lieber Hans“, sagte ich. „Kannst Du mir bitte erklären, wieso Du einmal so schlecht und einmal so gut über die Menschen in unserer Stadt sprichst und den Paaren so unterschiedlich antwortest?“

„Ganz einfach. Das liegt an ihrem unsichtbaren Gepäck“.

„Unsichtbares Gepäck?“

„Ja. Es ist unerheblich, wohin und wie weit sie umziehen. Ihre Sichtweisen und sich selbst nehmen sie immer mit!“

„Das heißt also, es wird sich nie ändern?“

„Nein, das heißt es nicht. Es ist nur unerlässlich, dass sie sich ihres unsichtbaren Gepäcks bewusst werden. Nur dann haben sie eine Chance, etwas zu ändern.“

„Oder es zu behalten, wenn es hilfreich ist!“

 

„Vielleicht sollten wir mal einen Ausflug nach C-Stadt machen, um uns ein Bild von den Menschen dort zu machen“, schlug ich vor.

„Wozu? Die sind genauso wie hier!“

 

P.S.

Tu-Es Day gibt es schon seit einiger Zeit. Die Texte der vergangenen Monate findest Du im 

 

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